Internationale Premiere: Jugendschützen Speicher starten erfolgreich erstes internationales Trainingscamp in Rumänien
Aus einer Begegnung in Serbien entstand eine internationale Partnerschaft für den Schützennachwuchs
ARAD / SPEICHER – Manche Projekte beginnen nicht mit einem Förderantrag oder einem offiziellen Beschluss, sondern mit einer Begegnung. Was im Dezember 2025 beim internationalen Schießsportturnier im serbischen Kikinda mit einem ersten Gespräch begann, wurde nur wenige Monate später Wirklichkeit: Vom 28. Juni bis 5. Juli 2026 organisierte die Jugendabteilung des Schützenvereins Speicher gemeinsam mit ihren rumänischen Partnern erstmals ein internationales Trainingscamp für den Schützennachwuchs in Arad. Eine Woche lang trainierten die Jugendlichen unter professionellen Bedingungen mit internationalen Trainern, Nationalkaderschützen und einem Olympiasieger – ein Projekt, das sportliche Ausbildung, internationale Begegnung und persönliche Entwicklung in besonderer Weise miteinander verband. Den sportlichen Höhepunkt bildete ein kleiner internationale Wettkampf am 4. Juli.
Von der Idee zum Projekt
Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Projekt entstand bereits im Dezember 2025 beim internationalen Schießsportturnier in Kikinda (Serbien). Dort lernten sich Ralf Jakobs, Jugendtrainer der Sportschützen Speicher, und der rumänische Olympiasieger, sechsfache Olympiateilnehmer und langjährige Nationaltrainer Sorin Babii erstmals persönlich kennen.
Aus vielen Gesprächen über moderne Nachwuchsförderung, Trainingsphilosophien und internationale Zusammenarbeit entwickelte sich schnell eine gemeinsame Vision: Jungen Schützinnen und Schützen sollte die Möglichkeit eröffnet werden, gemeinsam mit leistungsstarken Sportlern anderer Nationen zu trainieren, voneinander zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, die weit über das normale Vereinstraining hinausgehen.
In den folgenden Monaten arbeiteten beide Seiten intensiv an der Planung. Unterstützt von den rumänischen Partnervereinen entstand Schritt für Schritt ein Trainingskonzept, das bewusst weit mehr sein sollte als ein klassisches Trainingslager. Von Beginn an stand der Gedanke im Mittelpunkt, Sport mit internationalem Austausch zu verbinden und gleichzeitig den Grundstein für eine langfristige Partnerschaft zwischen den beteiligten Vereinen zu legen.
Bereits während der Woche in Arad zeigte sich, dass diese Idee aufgegangen ist. Die Verantwortlichen beider Länder waren sich schnell einig, den begonnenen Weg gemeinsam weiterzugehen. Erste Anfragen weiterer europäischer Vereine liegen bereits vor und unterstreichen das Potenzial dieser noch jungen Initiative.
Intensives Training unter professionellen Bedingungen
An fünf aufeinanderfolgenden Tagen absolvierten die Jugendlichen täglich vier Stunden intensives Luftgewehrtraining auf der Schießsportanlage „Sorin Babii“ in Arad. Trainiert wurde ausschließlich auf vollelektronischen Schießständen unter Bedingungen, wie sie auch bei nationalen und internationalen Meisterschaften genutzt werden.
Gemeinsam mit den Nachwuchsschützen der Jugendabteilung der Sportschützen Speicher trainierten junge Sportler der rumänischen Vereine CSM Arad, ACSS Focus und C.S.U. Oradea. Für die deutschen Teilnehmer war es die erste Gelegenheit, über mehrere Tage hinweg gemeinsam mit Nationalkaderschützen und internationalen Trainern zu arbeiten. Gerade dieser tägliche Austausch bot allen Beteiligten die Möglichkeit, voneinander zu lernen, unterschiedliche Trainingsansätze kennenzulernen und neue sportliche Perspektiven zu gewinnen.
Im Mittelpunkt standen dabei nicht allein Ringzahlen oder Ergebnisse. Vielmehr arbeiteten die Trainer gemeinsam mit den Jugendlichen an Anschlag, Körperhaltung, Rhythmus, Konzentration und Wettkampfabläufen. Jede Trainingseinheit wurde individuell begleitet und unmittelbar ausgewertet. Kleine technische Korrekturen, persönliche Rückmeldungen und intensive Einzelgespräche ermöglichten es jedem Teilnehmer, an seinen eigenen Stärken und Schwächen zu arbeiten.
Gerade diese individuelle Betreuung war für viele Jugendliche eine völlig neue Erfahrung. Statt allgemeiner Trainingsvorgaben erhielten sie konkrete Hinweise, die unmittelbar umgesetzt werden konnten und bereits während der Woche deutliche Fortschritte erkennen ließen.
Moderne Trainingsmethoden und internationale Fachkompetenz
Ein wesentlicher Bestandteil des Camps war der Einsatz moderner Trainingsmethoden, wie sie heute im Leistungs- und Nachwuchssport selbstverständlich sind. Neben dem täglichen Schießtraining arbeiteten die Jugendlichen mit Videoanalysen, elektronischen Trainingssystemen und individuellen Technik- und Haltungsanalysen. Dadurch konnten Bewegungsabläufe sichtbar gemacht und bereits kleinste technische Details gemeinsam mit den Trainern besprochen werden.
Besonderes Augenmerk legte das internationale Trainerteam dabei auf die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Teilnehmers. Nicht jeder Schütze erhielt dieselben Vorgaben – vielmehr wurden persönliche Stärken gefördert und gezielt an individuellen Entwicklungsmöglichkeiten gearbeitet. Diese intensive Form der Betreuung ermöglichte es den Jugendlichen, wertvolle Impulse für ihr weiteres Vereinstraining mit nach Hause zu nehmen.
Ein weiterer Punkt war das Mentaltraining unter der Leitung von Brankica Zarić, ehemalige Junioren-Weltmeisterin und Europameisterin. In praxisnahen Einheiten vermittelte sie den Teilnehmern Techniken zur Konzentration, Wettkampfvorbereitung und mentalen Stabilität. Dabei wurde deutlich, dass im modernen Schießsport nicht allein die technische Qualität entscheidet, sondern ebenso die Fähigkeit, auch unter Druck ruhig, konzentriert und fokussiert zu bleiben. Ergänzt wurde dies durch sportartspezifische Athletik- und Beweglichkeitseinheiten. Sie zeigte den Jugendlichen, welchen Einfluss Beweglichkeit, Körperspannung, Ernährung und allgemeine Fitness auf die Leistungen am Schießstand haben. Für viele Teilnehmer war dies ein völlig neuer Blick auf ihren Sport und machte deutlich, dass Spitzensport weit mehr umfasst als die Zeit auf dem Schießstand.
Die Kombination aus technischem Training, mentaler Vorbereitung und körperlicher Entwicklung vermittelte den Jugendlichen einen umfassenden Einblick in moderne Trainingsmethoden und zeigte eindrucksvoll, wie ganzheitliche Nachwuchsförderung heute aussehen kann.
Eine Woche des gemeinsamen Lernens
Während der gesamten Woche stand nicht nur das Training auf dem Schießstand im Fokus. Denn Ziel des Camps war es auch, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben gemeinsam sportlich zu wachsen.
Dabei entwickelte sich schnell eine außergewöhnlich offene Atmosphäre. Sprachliche Unterschiede spielten bereits nach kurzer Zeit kaum noch eine Rolle. Auf dem Schießstand, beim gemeinsamen Mittagessen, im Freibad oder beim Tischtennis entstanden Gespräche und Freundschaften ganz selbstverständlich. Was zunächst als internationales Trainingscamp begonnen hatte, entwickelte sich zunehmend zu einer echten Begegnung zwischen jungen Sportlern aus Deutschland, Rumänien und Serbien.
Besonders beeindruckt zeigten sich die rumänischen Gastgeber von der Einstellung der deutschen Teilnehmer. Trotz hochsommerlicher Temperaturen von teilweise deutlich über 35 Grad absolvierten alle Jugendlichen das anspruchsvolle Trainingsprogramm mit großer Disziplin, hoher Konzentration und sichtbarer Freude.
Vor allem die Bereitschaft, neue Trainingsmethoden anzunehmen, Fragen zu stellen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, wurde von den internationalen Trainern ausdrücklich hervorgehoben. Für sie war deutlich zu erkennen, mit welchem Ehrgeiz die Jugendlichen jede Trainingseinheit nutzten, um neue Erfahrungen zu sammeln und ihre sportlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Diese Anerkennung blieb jedoch keine Einbahnstraße. Ebenso beeindruckt waren die deutschen Teilnehmer von der Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft ihrer rumänischen Gastgeber. Bereits während des Camps brachten beide Seiten mehrfach den Wunsch zum Ausdruck, die Zusammenarbeit fortzuführen und sich im kommenden Jahr erneut in Arad zu treffen.
Louis Reuland, der erstmals an einem internationalen Trainingscamp teilnahm, bringt ihre Eindrücke auf den Punkt:
„Es war mein erstes internationales Trainingscamp und zugleich meine erste Reise nach Rumänien. Ich nehme nicht nur viele sportliche Erfahrungen mit nach Hause, sondern vor allem die herzliche Gastfreundschaft und viele neue Freundschaften.“
Auch Inka Jakobs blickt begeistert auf die Woche zurück:
„Ich habe unglaublich viel gelernt. Besonders beeindruckt hat mich, wie viele kleine technische und mentale Details am Ende den Unterschied machen können.“
Genau diese Erfahrungen waren es, die das Camp für alle Teilnehmer zu weit mehr als einer gewöhnlichen Trainingswoche machten.
Den für alle Beteiligten war spürbar, dass aus einer gemeinsamen Idee inzwischen weit mehr entstanden war als ein sportliches Projekt – der Beginn einer vertrauensvollen Partnerschaft.
Sportlicher Höhepunkt zum Abschluss der Trainingswoche
Den Abschluss einer intensiven und lehrreichen Woche bildete am 4. Juli ein kleiner Wettkampf, an dem die deutschen Teilnehmer des Camps gemeinsam mit Schützen der rumänischen Vereine CSM Arad, ACSS Focus und C.S.U. Oradea antraten.
Geschossen wurde nach einem besonderen Hit-Miss-Wertungssystem, bei dem nicht die Gesamtringzahl über die Platzierung entscheidet, denn als Treffer in einem 60 Schuss Programm wurden ausschließlich Schüsse oberhalb einer zuvor festgelegten Wertungsgrenze gewertet. Beim Luftgewehr musste hierfür mindestens eine 10,3, bei der Luftpistole mindestens eine 9,8 erzielt werden. Dadurch entstand ein spannender Wettkampf, bei dem jeder einzelne Spitzenschuss über Erfolg oder Misserfolg entscheiden konnte.
Die Jugendlichen der Sportschützen Speicher zeigten dabei hervorragende Leistungen und konnten die während der Trainingswoche gewonnenen Erfahrungen eindrucksvoll umsetzen. Besonders erfolgreich verlief der Wettkampf für Inka Jakobs, die sich im Luftgewehrwettbewerb die Bronzemedaille sichern konnte. Auch Louis Reuland, Uta Jakobs, Fabian Teske, Fabian Grauer und Luca Ewen präsentierten sich in einem starken internationalen Teilnehmerfeld mit großem Einsatz und sammelten wertvolle Erfahrungen, die weit über das eigentliche Wettkampfergebnis hinausgehen.
Die Siegerehrung wurde dann auch von Sorin Babii, Olympiasieger und langjähriger Nationaltrainer Rumäniens, gemeinsam mit Lucia Mihalache, Generaldirektorin des CSM Arad und selbst internationale Medaillengewinnerin, durchgeführt, sie überreichten die Pokale und Urkunden an die erfolgreichen Teilnehmer.
Für die Jugendlichen war dabei weniger die Platzierung entscheidend als vielmehr die Erfahrung, sich erstmals unter internationalen Wettkampfbedingungen mit leistungsstarken Nachwuchsschützen messen zu können.
Ein kleiner Drache als Botschafter der Heimat
Neben modernster Technik, intensiven Trainingseinheiten und professioneller Wettkampfvorbereitung durfte auch ein ganz besonderer Begleiter nicht fehlen. Mit nach Rumänien gereist war der kleine grüne Plüschdrache „Rheini“, das offizielle Maskottchen der RSB-Schützenjugend.
Während des Wettkampfs erhielt er einen Ehrenplatz direkt auf dem Schießstand und begleitete die Jugendlichen als sympathischer Botschafter ihrer rheinischen Heimat. Schnell entwickelte sich der kleine Drache zu einem festen Bestandteil der Campwoche und sorgte immer wieder für ein Lächeln bei Teilnehmern, Trainern und Gastgebern.
Ob „Rheini“ tatsächlich seinen Anteil an der Bronzemedaille hatte, bleibt wohl sein kleines Geheimnis. Für die Jugendlichen war er jedoch weit mehr als ein Glücksbringer – er war ein Stück Heimat in der Ferne und ein sichtbares Zeichen ihrer Verbundenheit mit der Schützenjugend des Rheinischen Schützenbundes.
Mehr als ein Trainingscamp
Für die Jugendschützen Speicher war diese Woche weit mehr als ein intensives Training. Das Camp hat eindrucksvoll gezeigt, wie Sport Menschen unterschiedlicher Nationen verbinden kann und welchen Wert internationale Begegnungen gerade für junge Menschen hat.
Neben zahlreichen sportlichen „Erkenntnissen“ nehmen die Jugendlichen vor allem neue Freundschaften, unvergessliche Erlebnisse und viele persönliche Erfahrungen mit nach Hause. Die Offenheit der rumänischen Gastgeber, die hohe fachliche Qualität der Trainer sowie die große Begeisterung aller Beteiligten haben diese Woche zu einem besonderen Erlebnis gemacht.
Ein besonderer Dank gilt Sorin Babii, Lucia Mihalache, Brankica Zarić, den rumänischen Partnervereinen, allen Trainern, Helfern, Sponsoren und Unterstützern des Schützenvereins Speicher. Ohne ihr Engagement und ihre Gastfreundschaft wäre die Durchführung eines solchen internationalen Projekts nicht möglich gewesen.
Bereits während des Camps wurden erste Ideen für eine Fortsetzung im kommenden Jahr entwickelt. Die Verantwortlichen auf deutscher und rumänischer Seite verbindet das gemeinsame Ziel, diese Partnerschaft langfristig auszubauen und künftig noch mehr jungen Sportlerinnen und Sportlern die Möglichkeit zu geben, internationale Erfahrungen zu sammeln und gemeinsam sportlich zu wachsen.
Die Premiere ist gelungen. Was im Dezember 2025 mit einer Begegnung in Kikinda begann, ist heute zu einer echten Partnerschaft geworden, die die gleiche Leidenschaft verbindet. Wenn es nach den Verantwortlichen in Deutschland und Rumänien geht, war diese erste Auflage deshalb nicht nur ein erfolgreiches Trainingscamp, sondern zugleich der Beginn einer langfristigen internationalen Freundschaft im Schießsport.
Teilnehmer: Inka Jakobs, Uta Jakobs, Louis Reuland, Fabian Teske, Fabian Grauer und Luca Ewen. (alle für Sportschützen Speicher)
Trainer und Betreuer: Ralf Jakobs (Sportschützen Speicher).
Gastgeber: Sorin Babii, Lucia Mihalache, Brankica Zarić sowie die Vereine CSM Arad, ACSS Focus und C.S.U. Oradea.
Von: Dijana Suboticki Miletic







